Aus der "Westerwälder Zeitung: Den Wald, den die Wäller kennen, gibt's bald nicht mehr

Veröffentlicht am 26.09.2019 in Aktuell

vom Leiter der Lokalredaktion Markus Müller

150 Menschen hörten in Mörlen dramatische Zahlen vom Forst – Kann mit 500 Millionen Euro vom Bund den Waldbesitzern geholfen werden?

Werden die heute auf Bundesebene zur Debatte stehenden 500 Millionen Euro Zuschuss den Wäller Waldbesitzern bei der Bewältigung der Borkenkäfer-Kalamität wirklich helfen? Unter anderem diese Frage stand bei der Infoveranstaltung „Waldwirtschaft der Zukunft“ im Fokus, zu der der SPD-Landtagsabgeordnete und Landtagspräsident Henrik Hering ins Bürgerhaus Mörlen eingeladen hatte. Dass das Thema nicht nur den Förstern, sondern auch vielen Kommunalpolitikern und normalen Bürgern unter den Nägeln brennt, zeigte das mit rund 150 Interessierten satt gefüllte Bürgerhaus.

Schon beim Bericht vom Leiter des Forstamtes Rennerod, Michael Weber, über den Zustand der Wälder in den Verbandsgemeinden Bad Marienberg, Westerburg, Wallmerod und Rennerod waren viele Zuhörer mehr als erschüttert. Denn der Westerwald ist in Bezug auf den Klimawandel, den damit einhergehenden Stürmen und Trockenheitsperioden und dem daraus resultierenden Borkenkäferbefall besonders stark betroffen.

Riesengroße Fichtenbestände sind schon zugrunde gegangen oder sterben aktuell ab, machte Weber mit eindrucksvollen Zahlen, Fotos aus der unmittelbaren Umgebung und Schaubildern deutlich. Sein Fazit: „Keiner wird den Wald, den er kennt, jemals wiedersehen.“

Schon in der Vergangenheit habe man mit dem Wald keine allzu hohen schwarzen Zahlen schreiben können. In guten Jahren seien im gesamten Forstamtsbereich nach Abzug aller Kosten gerade mal 130 000 Euro übrig geblieben. Wenn jetzt die Fichte als Brotbaum der Waldwirtschaft wegfällt (im Forstamtsbereich hat sie einen Flächenanteil von 38 Prozent, bringt aber mehr als zwei Drittel der Einnahmen) und aktuell der Erlös immer weiter sinkt, müssten die Waldbesitzer – sprich vor allem die Kommunen – in den nächsten Jahren und Jahrzehnten mit roten Zahlen rechnen.

Auch die im Raum stehenden 500 Millionen Euro vom Bund in den nächsten Jahren wären nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn sie nach dem bisherigen Schlüssel verteilt werden, machte Hendrik Hering deutlich. Im Forstamtsbereich Rennerod würden dann einschließlich der Landesmittel nur wenige Hunderttausend Euro ankommen. Aus der Versammlung kam dazu die Forderung, sich für eine stärkere Berücksichtigung des Westerwaldes als besonders geschädigtes Gebiet starkzumachen, insbesondere, weil Buchen, Eschen und andere Laubbäume ebenfalls unter enormen Stress stehen, absterben oder stark gefährdet sind. Gerade das führe zum Beispiel zu großen und dringenden Aufgaben bei der Verkehrssicherungspflicht, so Weber.

Natürlich waren insbesondere die Vertreter der Gemeinden stark daran interessiert, wie eine nachhaltige, klimagerechte und bezahlbare Waldwirtschaft der Zukunft aussehen könnte. Mit Georg Wilhelm, Waldbaureferent des Forstministeriums, Buchautor und selbst Waldbesitzer, stand ein Experte für diese Fragen zur Verfügung, der in seinem Einführungsreferat auf die wichtigsten waldbaulichen Maßnahmen nach der Borkenkäfer-Katastrophe einging.

Ein Anpassen des Waldes an den Klimawandel sei unmöglich. Viel wichtiger sei es, zum Beispiel mithilfe des Waldes den CO2-Anteil in der Luft zu senken. Weil ein naturnaher Wald die höchste Anpassungsfähigkeit ans veränderte Klima habe, plädierte er gerade jetzt für eine Waldwirtschaft in Naturnähe. Er warnte vor Schnellschüssen und dem Wiederholen alter Fehler, machte aber den Waldbesitzern auch Mut, die riesengroße Aufgabe zu meistern.

Am Rande der Veranstaltung war auch der Basaltabbau in den Wäldern des Nauberges ein Thema. Auf Kritik (wie im Leserbrief auf der folgenden Seite), dass der Wäller Abgeordnete Hering für den Basaltabbau am Nauberg sei, sagte dieser, dass er aus heutiger Sicht gegen die Abbaupläne sei. Vor zehn Jahren habe er das anders gesehen, gab er zu – und bat um Verständnis, dass ein Politiker seine Meinung auch mal ändern können muss.

 
 

Homepage Hendrik Hering, Ihr Abgeordneter für den Westerwald

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