Aus der "Westerwälder Zeitung": Nebenjobs: Rot-Grün will mehr Transparenz

Veröffentlicht am 11.10.2012 in Landespolitik

Landtag SPD-Fraktionschef Hering plant Initiative aller Abgeordneten – Köbler macht sich gläsern – CDU will Persönlichkeitsrechte wahren

Der Disput um hohe Nebeneinkünfte des SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück rüttelt auch den Mainzer Landtag auf: Rot-Grün will Honorare und Tantiemen klarer als bisher offenlegen. Bisher landen alle Angaben über Nebeneinkünfte im Tresor des Präsidenten. Selbst das Formular dafür gilt als geheim. Im Handbuch des Landtags wie im Internet lässt sich nicht erkennen, ob ein Ehren- oder Nebenamt für Politiker wirklich lukrativ ist oder es nur Geld kostet, weil noch nicht einmal die Anfahrt bezahlt wird. Redakteurin:
Ursula Samary

SPD-Fraktionschef Hendrik Hering sieht dringenden Handlungsbedarf und hat die Fraktionen der Grünen und der CDU angeschrieben, wie er unserer Zeitung sagt. Sein Ziel: „die Verhaltensregeln der Landtagsabgeordneten gemeinsam weiterentwickeln und mehr Transparenz schaffen“. Auf ein Konzept hat er sich noch nicht festgelegt. Für ihn steht aber fest: „Schirmt sich das Parlament ab, schürt dies nur Verdruss und Misstrauen“, zumal derzeitige Angaben höchst vage sind. Da erfährt niemand, dass es für Landtagsabgeordnete im Aufsichtsrat Hahn keinen Cent gibt, aber beispielsweise für den Sitz in einem SWR-Gremium eine monatliche Aufwandsentschädigung von 600 Euro.
Rot-Grün fest entschlossen
Mit seiner Transparenz-Initative rennt Hering beim Fraktionschef der Grünen, Daniel Köbler, offene Türen ein. Die Grünen beraten in der nächsten Woche bei ihrer Klausur auch den Antrag zum Thema „Gläserner Abgeordneter“, sagt Köbler unserer Zeitung. „Ich werde der Fraktion eine Initiative vorschlagen, nach der das Abgeordnetengesetz oder die Geschäftsordnung des Landtages so geändert wird, dass mehr Transparenz bei den Abgeordneten-Einkünften geschaffen wird. Bestenfalls erreichen wir das mit allen Fraktionen gemeinsam.“ Aber er ist sich schon sicher, dass er die „urgrüne Forderung“ nach mehr Transparenz mit der SPD anpacken kann. Er selbst nennt als „gläserner Daniel“ seit Mittwoch seine Einkünfte auf seiner Internetseite (www. daniel-koebler.de)
Der CDU-Fraktionsvize Alexander Licht, selbst noch im Weingut tätig, fordert auch „größtmögliche Transparenz zur Vermeidung von Interessenkonflikten“. Aber es müssten auch die Persönlichkeitsrechte gewahrt bleiben. „Transparenzregeln dürfen nicht dazu führen, dass qualifizierte Bewerber, zum Beispiel aus der Wirtschaft oder aus dem Handwerk, nicht mehr bereit sind, für Parlamente zu kandidieren.“ Denn eigene Einnahmen machen, so Licht, auch unabhängig. „Eine weitreichende finanzielle Abhängigkeit von Abgeordneten von ihrem Mandat und ihrer Partei ist nicht positiv“, argumentiert er. „Unabhängigkeit wird gerade auch dadurch gewährleistet, dass beispielsweise eine Juristin ihre Kanzlei weiterführt und ihre Mitarbeiter eben nicht entlässt oder ein Metzger weiterhin ein Einkommen aus seinem Geschäft bezieht.“ Kanzlerkandidaten müssten dagegen „sicherlich besonderen Anforderungen gerecht werden“.
Das stellt Hering nicht in Abrede, zumal eine eigene Existenz Politiker absichert, wenn man nicht mehr gewählt wird. Aber der Wähler soll wissen, ob jemand neben dem Landtagsmandat noch voll seinen Beruf ausüben kann. Der Sozialdemokrat redet die Höhe der Diäten nicht klein, die im Vergleich zu anderen Landtagen „im guten Mittelfeld liegen“. Aber Reichtümer ließen sich auch nicht scheffeln: „Jeder Verbandsgemeindebürgermeister, Rektor eines Gymnasiums oder jeder Abteilungsleiter eines Ministeriums verdient mehr. Und der Vorstand einer kleinen Volksbank im Land erhält mehr Geld als ein Ministerpräsident.“
Andere Liga als der Bundestag
Für Landtagspräsident Joachim Mertes (SPD) spielt „der Landtag in einer ganz anderen Liga als der Bundestag“. Für Reden gebe es selten mehr als drei Flaschen Wein. Sitzungsgelder in Verwaltungsräten oder beim SWR betrügen im Schnitt 75 Euro. Das ist für ihn keine Summe, die bestechlich macht. Kein Abgeordneter kassiere gewaltige Summen. Und Mertes muss es ja wissen, weil er alle Zahlen kennt. Es gebe rund um den Landtag auch keine „Einflüsterungskompanien von Lobbyisten“. Trotzdem ist er gespannt auf „kluge Vorschläge“ der Fraktionen. Das grobe Drei-Stufen-Raster des Bundestags (1000 bis 3500 Euro, bis 7000 Euro und mehr als 7500 Euro) überzeugt Mertes nicht. „Das haben wir schon 2005 verworfen.“ Für ihn ist dieses Modell eher ein „Vertuschungs- denn Transparenzinstrument“.
Für die Ministerriege gelten bereits klare Regeln. Einmal im Jahr werden Nebentätigkeiten veröffentlicht. Von den Einkünften darf jedes Kabinettsmitglied 8000 Euro behalten. So erhielt Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) als Vorsitzender des ZDF-Verwaltungsrats 18 407 Euro. Davon flossen aber 10 407 Euro in die Staatskasse.

 
 

Homepage Hendrik Hering, Ihr Abgeordneter für den Westerwald

Aktuelles aus der Heimat

Aus aller Welt

03.07.2026 18:19 Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen – Abenteuerliches Vorhaben: Krankschreibungspflicht ab dem ersten Tag ist nicht zielführend und kontraproduktiv
Zum aktuellen Reformpaket der Bundesregierung warnt der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Gesundheit der SPD vor negativen Folgen. „Der von der Union durchgesetzte Punkt der Koalitionsausschusseinigung, dass künftig bereits ab dem ersten Tag eine ärztliche Krankschreibung eingeholt werden muss, ist völlig abenteuerlich“, erklärt der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen (ASG) Boris Velter. „Wenn nun… Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen – Abenteuerliches Vorhaben: Krankschreibungspflicht ab dem ersten Tag ist nicht zielführend und kontraproduktiv weiterlesen

23.06.2026 19:06 Dagmar Schmidt zu den Empfehlungen der Rentenkommission
Reform muss zu spürbaren Verbesserungen gegenüber dem Status quo führen Der Abschlussbericht der Rentenkommission ist eine gute Grundlage für eine umfassende Reform, die wir jetzt gründlich beraten und dann auf den Weg bringen wollen. „Die Kommission hatte die Aufgabe, Vorschläge zu entwickeln, wie insbesondere Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen ihren Lebensstandard im Alter sichern… Dagmar Schmidt zu den Empfehlungen der Rentenkommission weiterlesen

20.06.2026 12:14 Gabriela Heinrich zum Weltflüchtlingstag
117 Millionen Menschen auf der Flucht Gabriela Heinrich, menschenrechtspolitische Sprecherin: Am 20. Juni, dem Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen, wird daran erinnert, dass Millionen Menschen gezwungenermaßen ihre Heimat verlassen mussten. Hinter den Zahlen stehen persönliche Geschichten und individuelle Schicksale. „Aktuell sind weltweit über 117 Millionen Menschen auf der Flucht, darunter viele Kinder, oftmals ohne die Begleitung… Gabriela Heinrich zum Weltflüchtlingstag weiterlesen

18.06.2026 12:25 „Fatales Signal an Kommunen und Verbraucher:innen“
Rechte Mehrheit im EU-Parlament stellt Vereinbarung für sauberes Wasser infrage Das Europäische Parlament hat heute eine Resolution zur Umsetzung der Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) verabschiedet. Die in der vergangenen Legislatur beschlossene Vereinbarung zur Verbesserung der Wasserqualität sieht Vorschriften für eine durch Unternehmen gestützte Finanzierung der sogenannten 4. Reinigungsstufe vor. An dieser finanziellen Großaufgabe sollen vor allem Kosmetik-… „Fatales Signal an Kommunen und Verbraucher:innen“ weiterlesen

18.06.2026 12:16 Annika Klose zum Arbeitszeitgesetz
Arbeitszeitgesetz: Flexibilisierung ist keine Einbahnstraße Im Koalitionsvertrag ist festgehalten, dass die neue Arbeitszeitregelung keine Ausweitung der Arbeitszeit gegen den Willen der Beschäftigten sein darf, so Annika Klose. „Wir haben im Koalitionsvertrag explizit vereinbart, dass eine solche Reform auch und gerade im Sinne der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausgestaltet werden muss. Dass es also auch… Annika Klose zum Arbeitszeitgesetz weiterlesen

Ein Service von websozis.info