Arge Nister erhält 100.000 Euro vom Land für die Muschelaufzuchtstation

Veröffentlicht am 01.09.2020 in Pressemitteilung

Extreme Wetterlagen häufen sich auf der ganzen Welt, aber auch hier bei uns im Westerwald bleiben sie nicht ohne Folgen. Wer mit offenen Augen durch die Natur geht stellt fest, dass auch im Westerwald die Natur zu kämpfen hat: Klimawandel, Waldsterben, Trockenheit, veralgte Nister und Fischsterben am Oberlauf  sind nur einige Folgen für unsere Natur. Deshalb besuchte Hendrik Hering die Arge Nister, um sich über den Zustand unserer Fließgewässer im Westerwald zu informieren und um die ARGE Nister zu informieren, dass das Land den Neubau der Muschelaufzuchtstation mit 100.000 Euro finanziell unterstützt.

Was brachte oder bringt der vor Jahren erstellte Nistervertrag den Gewässeren, wie geht es mit der Wasserrahmenrichtlinie weiter und wo besteht dringender Handlungsbedarf?

Bei fast 37°C Außentemperatur gab Manfred Fetthauer an der noch nicht ganz fertiggestellten Muschelaufzuchtstation in Stein-Wingert Antworten und Einschätzungen. Wenn Hendrik Hering nicht schon 2006 das Anliegen der Arge Nister, die Bachmuscheln in der Nister zu schützen, unterstützt hätte, wüsste man heute nicht, dass der Bestand in der Nister von ca. 20.000 Tieren innerhalb von 14 Jahren um 90 % zurückgegangen ist, trotz zurück gegangener Belastungswerte (Phosphat und Stickstoff). Doch welche Bedeutung hat schon allein diese eine unscheinbare kaum zu sehende Tierart? Und was, wenn nicht die stoffliche Belastung des Gewässers ursächlich für den Bestandseinbruch ist?

Antworten darauf hatten die beiden Wissenschaftlerinnen Dr. Daniela Mewes und Dr. Meike Koester von der Universität Koblenz Landau (Projektgruppe Fließgewässerökologie unter Leitung von PD Dr. Carola Winkelmann). Seit 2013 forscht die Projektgruppe an der Nister und begleitet die, vom Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung geförderten, Projekte „Biomanipulation in Mittelgebirgsflüssen“ (BIOEFFEKT I und II), sowie das Vorprojekt und die Begleitforschung zum E+E Projekt „Integrativer Artenschutz aquatischer Verantwortungsarten an der Nister“ (INTASAQUA) welche durch das Bundesministerium für Naturschutz gefördert wurden/werden. Sieben Jahre Forschungsarbeit an der Nister offenbarten, dass die einzelnen in der Nister beobachteten Probleme, wie der Bestandseinbruch der Bachmuscheln, das hohe Algenaufkommen in Frühjahr und Sommer und der Bestandsrückgang großwüchsiger Fische (v.a. Nase, Barbe, Döbel), zusammenhängen und sich derzeit in einer Abwärtsspirale gegenseitig verstärken.

Im Rahmen der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) wurden bereits viele Rahmenbedingungen für die Fließgewässer verbessert. So wurden beispielsweise eine Verbesserung der Durchgängigkeit, die Anpflanzung von Ufergehölzen und Schaffung von Uferrandstreifen oder die strukturelle Renaturierung von Gewässerabschnitten sowie die Reduktion der Nährstoffeinträge vorangetrieben. So wichtig diese Maßnahmen auch sind, brachten sie doch vielerorts nicht den gewünschten Erfolg. Und auch die Nister – einst grünes Juwel des Westerwalds und erfolgreiches Lachs 2000 Gewässer – kämpft ums Überleben.

Im Kern des Problems erscheinen nun nicht mehr vorrangig die Gewässerstruktur oder Einträge aus dem Umland (auch wenn Einzelereignisse auch jetzt noch zu regionalem Fischsterben führen), sondern vielmehr die im Gewässer lebenden Tiere selbst, deren Zusammenleben aus dem Gleichgewicht geraten ist. Während 1998 noch große Bestände von Bachmuscheln ca. 1,92 Mio. Liter Nisterwasser pro Tag filtriert und so gereinigt haben, große Fische (v.a. Nasen) und kleine Wirbellose (v.a. Schnecken und Insektenlarven) den Algenrasen kurzhielten, fehlen die großen Bestände dieser Tiere heute und die Nister droht in Algen und Schwebstoffen buchstäblich zu ersticken. Eine Schlüsselrolle spielt hierbei der Kormoran, welcher erstmalig im Winter 1998/99 in großer Zahl (118 Tiere) über das Siegsystem vom Rhein her bis in die Mittelgebirge an die Nister vorstieß. Während große Ströme, wie der Rhein, den Fischen Ausweichmöglichkeiten bieten, sind die Fließgewässer der Mittelgebirge zu flach und zu schmal, um den Fischen Rückzugsräume vor diesem intelligenten und im Schwarm jagenden Fischfresser bieten zu können. Durch die hohe Effizienz bei der Jagd und einen täglichen Bedarf von ca. ½ kg Fisch je Kormoran, konnte Dr. Jörg Schneider (BfS Frankfurt) an der Nister im Jahr 1999 einen Einbruch der Fischbestände (u.a. Nase, Döbel, Barbe) von ca. 78% im Vergleich zum Vorjahr nachweisen. Leider beschränkt sich dieses Phänomen nicht auf die Nister, sondern kann in den meisten deutschen Mittelgebirgsflüssen beobachtet werden. Daher ist dort ein effektiver Schutz der Fischbestände , nur in Kombination mit einem konsequenten Management der Kormoanbestände erfolgsversprechend. Auf Grund der alarmierenden Bestandseinbrüche der Nase und ihrer großen Bedeutung für die Fließgewässer wurde die Nase 2020 zum Fisch des Jahres gewählt. Ein erster Schritt um diesen kulinarisch uninteressanten, aber für das Ökosystem Fließgewässer hoch relevanten, Fisch ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und effektiv zu schützen.

Als einen Meilenstein der Anstrengungen im Rahmen des Nistervertrages hebt Manfred Fetthauer auch der Rückbau des Heberwehres Schneidmühle hervor. Sei dies nicht geschehen, hätte das in der derzeitigen Trockenperiode zu einer zeitweisen Austrocknung von fast 40 km Nister geführt. In enger und schneller Zusammenarbeit zwischen dem Land, der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord, dem LBM in Diez und den örtlichen Behörden konnte der Rückbau 2017/18 erfolgen.

„Mit der Förderung der Muschelaufzuchtstation unterstützt das Land jetzt einen weiteren Meilenstein der ARGE Nister. Hier vor Ort am Fluss in Stein-Wingert leistet das Team um Manfred Fetthauer großartige Arbeit zum Wohl unserer Flüsse“, sagte Hendrik Hering bei seinem Besuch. dürfte die umgebaute Muschelzuchtstation werden. Mit dem Ziel Ende Mai die ersten jungen Bachmuscheln dort anzuzüchten, hatte die ARGE im November 2019 mit dem Abriss des alten Gebäudes begonnen, die Station erweitert und wiederaufgebaut. Den Bewilligungsbescheid für die Innenausstattung der Anlage hatte Hendrik Hering im Gepäck. Damit kann nun endlich die geplante technische Ausstattung der Station in Angriff genommen werden. Davon, dass sich schon jetzt in 3 Fließrinnen einige tausend Bachmuschel befinden, welche teilweise schon bis zu 1mm herangewachsen sind, konnte sich der Landtagspräsident zum Schluss selbst überzeugen. Noch gibt es viel zu tun, bis die Station, nach Corona, auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann. „Packen wir es an!“, so Fetthauer zum Schluss.

 
 

Homepage Hendrik Hering, Ihr Abgeordneter für den Westerwald

Aktuelles aus der Heimat

Aus aller Welt

03.07.2026 18:19 Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen – Abenteuerliches Vorhaben: Krankschreibungspflicht ab dem ersten Tag ist nicht zielführend und kontraproduktiv
Zum aktuellen Reformpaket der Bundesregierung warnt der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Gesundheit der SPD vor negativen Folgen. „Der von der Union durchgesetzte Punkt der Koalitionsausschusseinigung, dass künftig bereits ab dem ersten Tag eine ärztliche Krankschreibung eingeholt werden muss, ist völlig abenteuerlich“, erklärt der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen (ASG) Boris Velter. „Wenn nun… Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen – Abenteuerliches Vorhaben: Krankschreibungspflicht ab dem ersten Tag ist nicht zielführend und kontraproduktiv weiterlesen

23.06.2026 19:06 Dagmar Schmidt zu den Empfehlungen der Rentenkommission
Reform muss zu spürbaren Verbesserungen gegenüber dem Status quo führen Der Abschlussbericht der Rentenkommission ist eine gute Grundlage für eine umfassende Reform, die wir jetzt gründlich beraten und dann auf den Weg bringen wollen. „Die Kommission hatte die Aufgabe, Vorschläge zu entwickeln, wie insbesondere Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen ihren Lebensstandard im Alter sichern… Dagmar Schmidt zu den Empfehlungen der Rentenkommission weiterlesen

20.06.2026 12:14 Gabriela Heinrich zum Weltflüchtlingstag
117 Millionen Menschen auf der Flucht Gabriela Heinrich, menschenrechtspolitische Sprecherin: Am 20. Juni, dem Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen, wird daran erinnert, dass Millionen Menschen gezwungenermaßen ihre Heimat verlassen mussten. Hinter den Zahlen stehen persönliche Geschichten und individuelle Schicksale. „Aktuell sind weltweit über 117 Millionen Menschen auf der Flucht, darunter viele Kinder, oftmals ohne die Begleitung… Gabriela Heinrich zum Weltflüchtlingstag weiterlesen

18.06.2026 12:25 „Fatales Signal an Kommunen und Verbraucher:innen“
Rechte Mehrheit im EU-Parlament stellt Vereinbarung für sauberes Wasser infrage Das Europäische Parlament hat heute eine Resolution zur Umsetzung der Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) verabschiedet. Die in der vergangenen Legislatur beschlossene Vereinbarung zur Verbesserung der Wasserqualität sieht Vorschriften für eine durch Unternehmen gestützte Finanzierung der sogenannten 4. Reinigungsstufe vor. An dieser finanziellen Großaufgabe sollen vor allem Kosmetik-… „Fatales Signal an Kommunen und Verbraucher:innen“ weiterlesen

18.06.2026 12:16 Annika Klose zum Arbeitszeitgesetz
Arbeitszeitgesetz: Flexibilisierung ist keine Einbahnstraße Im Koalitionsvertrag ist festgehalten, dass die neue Arbeitszeitregelung keine Ausweitung der Arbeitszeit gegen den Willen der Beschäftigten sein darf, so Annika Klose. „Wir haben im Koalitionsvertrag explizit vereinbart, dass eine solche Reform auch und gerade im Sinne der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausgestaltet werden muss. Dass es also auch… Annika Klose zum Arbeitszeitgesetz weiterlesen

Ein Service von websozis.info