Westerburger Sozialdemokraten weben für Stolpersteine

Veröffentlicht am 19.05.2022 in Aktuell

Hering zeigt wenig Verständnis für Ablehnung durch den Stadtrat in der Vergangenheit

Sie sind das größte dezentrale Denkmal der Welt. Stolpersteine, wie sie in 26 Ländern in unzähligen Städten verlegt sind, dienen als kleine Gedenktafeln im Pflaster. Sie führen zum Stolpern und machen dadurch auf die jüdischen Opfer des Holocaust aufmerksam. Auch einige Westerburger kämpfen bereits seit Jahren für Stolpersteine.

Westerburg. „Der Mensch wird nur vergessen, wenn sein Name nicht mehr existiert“, so steht es im Talmud geschrieben, einem der bedeutendsten Schriftwerke des Judentums. Dass dieser Satz einmal eine so tragische Bedeutung haben wird, hätte sich bei der Niederschrift wahrscheinlich niemand vorstellen können. In diesem Jahr im August sind es genau 80 Jahre her, dass die letzten Juden aus Westerburg unter dem NS-Regime deportiert und ermordet wurden. Lebten im März 1933 noch 88 jüdische Mitbürger in Westerburg, wurde die Stadt am 28. August 1942 mit der Deportation der letzten neun Juden „judenfrei“. Weltweit erinnern Stolpersteine in den Städten an die Namen der Vernichtungsopfer, nur die Stadt Westerburg stellt sich seit Jahren quer.

Maria Meurer widmete viele Jahre der Aufarbeitung der Schicksale der jüdischen Menschen zu Zeiten des Nationalsozialismus in Westerburg. Bereits 2013 lehnte die Stadt Westerburg einen Antrag auf Stolpersteine ab, nun will es die SPD-Stadtratsfraktion mit ihrem Vorsitzenden Markus Kachler erneut versuchen.

So wurde Anfang Mai ein Antrag an Stadtbürgermeister Janick Pape gestellt, auch in Westerburg endlich mit Stolpersteinen der jüdischen Opfer zu gedenken, wie es andere Städte im Westerwald bereits seit Jahren vormachen. Um sich ein Bild zu machen, an welchen Stellen Stolpersteine errichtet werden sollten, führte Maria Meurer kürzlich durch Westerburg. Auch Abgeordneter und Landtagspräsident Hendrik Hering war bei diesem Termin zugegen und lauschte den detaillierten und bedrückenden Erzählungen Maria Meurers.

Der Rundgang durch Unterstadt und Oberstadt führte die Teilnehmer an 15 Häusern vorbei, die einst von jüdischen Familien bewohnt wurden. Auch die jüdische Ärztin Dr. Naira Enuka aus Hachenburg nahm an der Führung teil. Ihre Tochter leitet eine Abteilung  des jüdischen Museums in Jerusalem und interessiert sich für die Dokumente der Juden der Stadt Westerburg. Maria Meurer wusste zu allen Häusern die Geschichten der früheren Bewohner zu erzählen. Jede einzelne der Familiengeschichten war erschütternd, waren sie doch geprägt von Zwangseinweisungen, Deportationen und Tod – teils unter falschen Vorwänden wie einer „Evakuierung in den Osten“.

Die 2019 von der Stadt Westerburg errichtete Stele an der Synagoge wurde bei diesem Rundgang ebenfalls besucht. Sie soll ein Ersatz für Stolpersteine in der Innenstadt sein, jedoch ist sie kaum bekannt und abseits gelegen. In Westerburg müssten eigentlich 39 der dezentralen Denkmäler ins Pflaster eingefügt werden; 38 für die Juden, die zu Opfern des Holocaust wurden und vor ihrem Tod ihren letzten frei gewählten Wohnsitz in Westerburg hatten, und ein Stein für einen Westerburger Christen, der politisch verfolgt sein Leben im KZ Dachau ließ. „Ich verstehe nicht, wie man sich als Stadt gegen Stolpersteine aussprechen kann“, erklärte Hendrik Hering zum Ende des Rundgangs, nachdem er sich bei Maria Meurer für die interessante, wenn auch bedrückende Führung, bedankte. „Es ist wirklich bemerkenswert, wie viele Details Sie zu diesem dunklen Teil der Geschichte recherchiert haben“, lobte er Maria Meurer. „Wir hoffen alle, dass dem Antrag auf Stolpersteine in Westerburg dieses Mal zugestimmt wird, damit all die Namen und Familien nicht vergessen werden“, so Hering abschließend. Auf jeden Fall werde er das Vorhaben unterstützen, soweit es ihm möglich ist.

 
 

Homepage Hendrik Hering, Ihr Abgeordneter für den Westerwald

Aktuelles aus der Heimat

Aus aller Welt

04.10.2022 09:15 Neues Genossenschaftsprogramm startet
Am 4. Oktober startet die neue Förderung der Kreditanstalt für Wiederaufbau zum Kauf von Genossenschaftsanteilen. Wir lösen damit ein Versprechen aus dem Koalitionsvertrag ein und unterstützen die Bildung von Wohneigentum auch in Städten und Verdichtungsregionen. „Wir wollen das KfW-Programm zum Kauf von Genossenschaftsanteilen stärken.“ So steht es im Koalitionsvertrag, und noch bevor die Ampel-Regierung ein… Neues Genossenschaftsprogramm startet weiterlesen

04.10.2022 08:42 Olaf Scholz
DEUTSCHLAND PACKT DAS. Die Energiepreise müssen sinken, die Bürgerinnen und Bürger kräftig entlastet werden. Und dafür sorgen wir jetzt. Ein Namensbeitrag von Bundeskanzler Olaf Scholz. Selten zuvor stand unser Land vor so vielen Herausforderungen wie heute. Sie haben ihren Ursprung in dem grausamen Krieg, den Russland in der Ukraine führt. Er wirkt sich längst auch… Olaf Scholz weiterlesen

29.09.2022 19:36 „DOPPEL-WUMS“ FÜR BEZAHLBARE ENERGIE
Mit einem gigantischen neuen Hilfspaket will Kanzler Scholz für sinkende Energiepreise sorgen. Das Ziel: Egal wie groß die Herausforderungen sind, Deutschland packt das – jede und jeder kommt gut durch den Winter. Die SPD-geführte Bundesregierung von Bundeskanzler Olaf Scholz spannt angesichts der steigenden Energiepreise einen 200 Milliarden schweren „Abwehrschirm“, mit dem die Menschen und Unternehmen… „DOPPEL-WUMS“ FÜR BEZAHLBARE ENERGIE weiterlesen

26.09.2022 17:36 Deutschland packt das. Mit 12 Euro Mindestlohn.
Gute Arbeit verdient einen anständigen Lohn. Das ist eine Frage des Respekts. Arbeit hat ihren Wert und ihre Würde. Olaf Scholz hat als Kanzlerkandidat klar gesagt: Wenn die SPD gewählt wird, wenn er Bundeskanzler ist, wird der Mindestlohn steigen. Dieses Wahlversprechen setzen wir jetzt um – wir erhöhen den Mindestlohn auf 12 Euro pro Stunde. Gleichzeitig… Deutschland packt das. Mit 12 Euro Mindestlohn. weiterlesen

26.09.2022 16:36 Welttourismustag: Tourismus neu denken
Mit dem diesjährigen Motto „Tourismus neu denken“ setzt der Welttourismustag der Welttourismusorganisation (UNWTO) neue Impulse für den Tourismus der Zukunft. „Der Welttourismustag setzt ein starkes Zeichen für die Bedeutung des weltweiten Tourismus. Wir unterstützen das Format, um gemeinsame Werte der Tourismuspolitik zu kanalisieren und ein internationales Verständnis für die Stärkung des Tourismus zu schaffen. Der… Welttourismustag: Tourismus neu denken weiterlesen

Ein Service von websozis.info